:: Geschichte
Bilder aus der Gründerzeit 1947
Einige wenige Fotos aus dieser Zeit sind erhalten geblieben. Wenn Sei Fotos aus dieser Zeit haben, ersuchen wir um Kontaktaufnahme mit Herrn Sumps, 0650/7661100 zwecks Aufnahme in die Bildergallerie unserer Homepage, danke!
Bilder aus der Gründerzeit um 1947
Erinnerungen des Gründungsmitgliedes Karl Wimmer.
Es war das Jahr 1946: Die russische Besatzungsmacht war noch in Aschbach stationiert und kontrollierte das Geschehen des Ortes. Einige ansässige junge Burschen, die den Krieg so halbwegs gut überstanden hatte, fanden sich zusammen und berieten, was sie nun anfangen sollten, das Leben müsse doch weitergehen, jetzt wo der Krieg zu Ende sei.



Die einzigen Freizeitbeschäftigungen damals waren Tanzveranstaltungen der Parteien, Heimkehrerkränzchen, und Theatervorstellungen, aber vom Sport war keine Rede, weil es keine Möglichkeiten gab, ihn auszuüben. Und obwohl ich immer ein begeisterter Sportler war, dachte ich zu dieser Zeit, noch geschwächt von meiner vierwöchigen Flucht im Februar 1946, keineswegs an den Sport. Die Arbeit in der Schuhmacherwerkstätte dauerte täglich von 6 Uhr früh bis 7 Uhr abends und ums Essen war es auch noch schlecht bestellt. Später änderte sich die Lage zum Besseren und so glaubten wir, daß Radfahren sicher etwas Schönes wäre, doch leider mangelte es an den nötigen Rädern. Und wenn eines da war, dann ging meist die Luft aus und so kam nichts zustande. Dann wurde das Kegelscheiben aktuell, ja das war gar nicht schlecht und eine schöne Unterhaltung (im Gasthaus Wagner). Hans Schoder, ein Produktenhändler, brachte Most, denn Bier und Wein gab es nicht. Aber die Ansprüche wurden natürlich immer höher, denn die Kegelbahn war in einem desolaten Zustand, und so war es auch mit dieser Unterhaltung bald vorbei, denn an eine Reparatur war nicht zu denken. So kam immer alles anders, als man dachte.

Es war Mitte des Jahres 1946, da befahl die Besatzungsmacht, daß der Ort Aschbach eine Fußballmannschaft zu stellen hätte, um gegen die Russen zu spielen. Drei begeisterte Sportfreunde, es waren dies Hans Schoder, Kaufmann, Alois Weise und Alois Schörghuber, kamen zu mir und meinten, daß wir die Herausforderung annehmen und gegen die Russen antreten sollten, denn wir würden dann den Fußballplatz benutzen dürfen, der unweit der Tonaumühle gelegen war. Der Vermittler war ein gewisser Herr Koma, der als Dolmetscher in Aschbach bekannt war. Drei Spiele gewannen die Russen, das 4. Spiel gewannen wir, worauf die Russen aus Enttäuschung nicht mehr gegen uns spielen wollten. Nun war unsere Begeisterung groß. Wir hatten zwar nur weiße Turnleibchen und schwarze Hosen, aber das spielte zu der Zeit keine Rolle.


Eine Mannschaft der 1. Stunde:
Hinten: Reisinger, Name?, Name?, Name? Rosenberger Bert
Mitte: Mühlböck Leopold, Weinfurter Joschi, Name?
Vorne: Weise Alois, Köck Josef, Wimmer Karl

Die russischen Besatzer wurden verlegt, es blieben nur einige wenige zurück. Aber der Fußballplatz blieb uns, zwei Wiesen, von denen eine der Familie Fromhund in Riesing und die andere der Familie Illich in Aschbach gehörte. Der Gemeinderat von Aschbach und Bürgermeister Fink machten mit den Besitzern der Wiesen aus, daß diese als Fußballplatz erhalten bleiben sollten und der Schaden von der Gemeinde abgegolten würde. Und so konnte die Sektion Fußball den Betrieb beginnen.

Der Sportbetrieb 1947 und die Gründung der Turn- und Sportunion Aschbach:

Wir waren natürlich mit vollem Eifer bei der Sache. Freundschaftsspiele wurden organisiert, wenn es auch noch so beschwerlich war, in einen anderen Ort zu gelangen. Auch wollten wir, so bald wie möglich, um die Meisterschaft mitspielen (2.Klasse Ybbstal). So wurde nach reiflicher Überlegung der Verein "Turn- und Sportunion Aschbach" gegründet. Bei der Gründungsversammlung im Gasthaus Schauberger (heute Lettner) wurden folgende Funktionäre gewählt:

Karl Wimmer Obmann, Franz Tuder Schriftführer, Josef Lettner Kassier, Josef Amesbichler Kulturwart und Josef Köck Zeugwart.

Spätere Funktionäre waren Sektionsleiter Alois Schörghuber, Trainer Dr. Meyerhofer, Franz Divinzenz und Emil Bauer.

Die Vereinsstatuten zum Einreichen an die BH Amstetten schrieb der damalige Student und spätere Bundesobmann der Turn- und Sportunion von Österreich, Dr. Sepp Finder, da wir selbst keine Schreibmaschine besaßen.

Die Vereinsstatuten lauteten: Die Union sei unpolitisch, denn der damalige Bezirksobmann Einengel hatte uns geraten, uns an niemanden zu binden und stets selbständig zu bleiben. Wir wurden zwar von verschiedenen politischen Organisationen umworben, aber eine Einmischung konnten wir uns nicht leisten, um unseren ohnehin begrenzten Kader nicht noch mehr zu reduzieren.

Die Sitzungen des Vereins wurden meist in verschiedenen Privatwohnungen abgehalten. Sie standen unter dem Motto "Unbedingte Wahrheit, Offenheit gegenüber jedem Funktionär". Wir ließen keine Schlampereien einreißen, jeder mußte für seine Aktivitäten geradestehen, sonst hätten wir nie durchgehalten.

Einen ehrenwerten Auftrag erhielten wir 1959 anläßlich des Putsches der Kommunisten zugunsten einer Volksdemokratie. Bürgermeister Fink ersuchte uns, eine Gruppe zusammenzustellen, um die Molkerei zu bewachen und Beobachtungen durchzuführen. Natürlich stellte sich die Union zur Verfügung. Alois Schörghuber, Hubert Blaschke, Richard Karpf und ich. Auch Herr Oberlehrer Faffelberger kam dazu. Wir waren die halbe Nacht in der Molkerei und beobachteten die Gegend nach Russen, aber zum Glück kam niemand. Der Nachwächter Karl Gerstner war natürlich auch dabei.

Aber nun zum Fußball. Der Fußballplatz wurde vom Verband kommissioniert. Natürlich gab es genug Fehler, aber er wurde trotzdem zum Spielen freigegeben. Der größte Mangel des Platzes war eine lange Mulde in der Mitte, die wir mit dem Schutt vom Ausbau des katholischen Jugendheimes Aschbach zuschütteten, aber trotzdem ging der Spielbetrieb hurtig weiter.

Die Meisterschaft begann am 3. Sept. 1947 gegen Mauer. Das Ereignis war mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu sehen. Einerseits spielte Aschbach zum ersten Mal in der Fußballmeisterschaft mit, andererseits zog sich unser bester Spieler, Josef Köck, einen Schien- und Wadenbeinbruch zu, so daß er den ganzen Herbst ausfiel. Mauer gewann 3:0. Auf die weiteren Spiele wirkte sich das Fehlen Josef Köcks verheerend aus, denn wir verloren jedes Spiel, das letzte gegen St.Peter/Au gar 0:17.

Mit den haushohen Niederlagen ging es bis zum 3. Meisterschaftsjahr weiter, aber die Spieler ließen sich nicht entmutigen und blieben stets dem Verein treu. Der Erfolg stellte sich erst ein, als Dr. Meyerhofer die Trainerstelle übernahm und auch selbst öfter spielte.

Der Platzwechsel (Sportplatzbau beim Gasthaus Feldhofer):

Da der Fußballplatz bei der Tonaumühle nicht mehr tragbar war, weil die Besitzer die Anbaufläche nötig brauchten, wurde ein neuer Platz gesucht, und die Wahl fiel auf das Gasthaus Feldhofer. Der Teich hinter dem Haus mußte zugeschüttet werden (er war ungefähr 20 x 35m² groß). Der Nutzungsvertrag wurde am 4. Februar 1952 auf 25 Jahre abgeschlossen.


"In Aschbach ist der Naglteich, und rundherum liegt Österreich"
Johann Feldhofer vor dem Naglteich, auf dem jetzt der "Alte Fußballplatz" liegt.

Nun kam die große Arbeit. Von überall wurde mit Lastwagen und Pferden Schuttmaterial gebracht. So half auch der Produktenhändler Hans Schoder, der mit seinen Pferden eifrig bei der Sache war, und gar oft standen die Pferde bis zum Bauch im Schlamm und mußten befreit werden. Mit der Hilfe aller wurde der Teich schließlich zugeschüttet.

Natürlich muß die finanzielle Hilfe durch die Landesunion unter Sekretär Halwachs erwähnt werden. Auch der Familie Feldhofer erwies sich beim Platzbau als sehr großzügig.
Aber nun war meine Funktion zu Ende, da ich meinen Arbeitsplatz geändert und mich in Mauer selbständig gemacht hatte. Als neuer Obmann wurde Franz Divinzenz bestellt, der den Verein weiterführte. In seine Zeit fiel auch die Eröffnung des neuen Sportplatzes beim Gasthaus Feldhofer. Auch entstand die Sektion Turnen mit Frau Johanna Triebert für die Damen sowie Anton Grudl und Leopold Schnepf für die Herren. Franz Divinzenz bemühte sich sehr um den Verein, aber die viele Arbeit in seinem Geschäft und im Verein war nicht zu bewältigen, und so legte er 1954 seine Funktion wieder zurück. Als neuer Obmann kam abermals ich zum Einsatz, ehe im August 1955 Dr. Sepp Finder meine Tätigkeit übernahm.

Weitere Aufbauarbeit des Vereines (Veranstaltungen):

Um die finanzielle Lage des Vereines aufzubessern, wurden jedes Jahr eine Nikolofeier und ein Maskenball veranstaltet. Die Nikolofeier wurde von Alois Divinzenz in humorvoller Weise gestaltet, indem er für gewöhnlich das Vereinsleben des ganzen Jahres niederschrieb und in dichterischer Form wiedergab. Josef Stech und Franz Untertrifallner (Buchberger) mit der steirischen Harmonika sowie Heinrich Oberleitner mit der Geige verschönerten mit ihrer Musik diese Veranstaltung. Die Maskenbälle wurden jeweils unter einem speziellen Motto abgehalten, was immer vollen Erfolg brachte, wie zum Beispiel "Am Meeresgrund", "Im Zauber des Südens", "Die Rialtobrücke von Venedig" oder "Laß Blumen sprechen". Zwei Faschingsumzüge wurden auch organisiert, die ungemein viele Besucher anlockten. Bei einer Ballveranstaltung zahlte sogar jeder Funktionär und Mitarbeiter Eintrittsgeld. Ein wichtiger Berater bei den Faschingsbällen war Karl Zehetner, der uns mit vielen Ratschlägen und Arbeiten zur Seite stand.

Sportgeräte und Utensilien:

Daß das Erwerben von Fußballdressen nicht einfach war, war zu der Zeit selbstverständlich. Durch Zufall bekamen wir gelbweiße Leibchen, aber keine Hosen, und später grünschwarze Leibchen, aber wiederum keine Hosen. Die Hosen nähte uns Frau Christine Buchberger (verh. Temper), eine Garnitur in Khaki-Farbe und eine Garnitur weiße Hosen. Es war eine große Leistung, die sie noch dazu unentgeltlich erbrachte. Das Dressenwaschen besorgte jede Woche meine Gattin Berta, natürlich mit der Einheitsseife. Das Wassertragen dazu war bestimmt keine Kleinigkeit. Das Problem mit den Fußballschuhen war einfach katastrophal. Die meisten wurden einfach von gewöhnlichen Arbeits- zu Fußballschuhen umgearbeitet, das aber oft am Sonntag vormittag, da während der Woche keine Zeit dazu war. Mein Bruder Georg stellte gratis das Material zur Verfügung.

Die Betreuung unserer Zuschauer am Sportplatz wurde auch immer besser, so gingen etwa beherzte Funktionäre wie Franz Tuder oder Alois Schörghuber zu den Bauern und baten um ein paar Bretter zur Errichtung von Bänken und Umkleidekabinen. Nebenbei wurde ein Verkaufsstand der Firma Schürz, Konditorei, errichtet, wo es Getränke und Süßigkeiten zu kaufen gab. Das war neben dem Eintrittsgeld eine kleine Einnahmequelle. Auch verpflichteten wir uns, den Maibaum der FF Aschbach am Ende des Monats umzulegen und zu entsorgen, damit wir mit dem Holz, das in der Tonaumühle geschnitten wurde, neue Torstangen errichten konnten. So wurde mit viel Idealismus etwas Neues geschaffen, denn wir waren ja ein ziemlich armer Verein. Eine wichtige Stütze für den Verein war Sattler und Tapezierer Franz Divinzenz, der alle Bälle gratis reparierte und sogar neue Bälle herstellte, was uns eine große Hilfe war.

Fahrzeuge zur Beförderung der Spieler:

Die Fahrt zu den Meisterschafts- und Freundschaftsspielen war ein großes Problem. Traktoren mit Anhängern, Lastwägen, die nicht zugelassen waren oder unzuverlässige Autobusunternehmen brachten viele Schwierigkeiten. Das verläßlichste Fahrzeug war der Milchwagen der Molkerei Aschbach. Molkereidirektor Dr. Erwin Bilzer stellte uns den Milchwagen jederzeit zur Verfügung, obwohl der Transport von so vielen Personen nicht erlaubt war. Aber der Chauffeur Karl Boissl, er war ein begeisterter Fußballanhänger, scheute keine Mühen und keinen Gendarmen und brachte uns immer wohlbehalten nach Hause, obschon er nachher den Wagen allein wiederbeladen mußte. Natürlich passierte auch vieles: Bei einem fremden Lastwagen ging die Luft aus, und wir kamen zu einem Spiel zu spät, oder wir standen um Mitternacht noch in Purgstall, bis von Melk ein Fahrzeug kam, oder in Gaflenz, wo das Fahrzeug kaputt war und noch viel mehr. Das waren Begebenheiten, die man in Kauf nehmen mußte, aber alles lief mit Frohsinn und Heiterkeit ab.

Natürlich wollten wir uns auch aus Dankbarkeit bei unseren Funktionären mit einer Flasche Wein erkenntlich zeigen, wenn diese Nachwuchs bekamen. Doch wir konnten uns dies aus Geldmangel nur bei drei Familien (Franz Tuders erste Tochter, Franz Divinzenz´ Sohn Hannes und Karl Boissls Sohn Franz) leisten.

Schlußgedanke:

Meine Funktion ging ja mit dem Jahr 1955 zu Ende, meine Gedanken waren aber weiterhin bei der Union Aschbach und über das Geschehen des Vereines war ich immer vollständig informiert. Und wenn man heute die Situation der Turn- und Sportunion Aschbach betrachtet, dann kann man der Vereinsleitung, der Gemeinde Aschbach und allen Vereinsmitgliedern, die das Werk fortgesetzt haben, das vor 50 Jahren begonnen hat, nur gratulieren.

Nun eine Episode zur Niederlage gegen St.Peter/Au:

Vor Beginn des Spieles kam ein Spieler von St.Peter/Au zu uns und bat uns um ein Paar Fußballschuhe, da er keine eigenen hatte. Aber wir dachten nicht daran, nach so vielen Niederlagen, und die nächste stand bevor, einem Gegner Schuhe zu leihen und ihn damit zu unterstützen. Aber Emil Bauer, Mannschaftsführer der Reserve, war anderer Meinung. Er schimpfte uns zusammen, was wir doch für miese Sportler wären, dem Gegner nicht einen kleinen Freundschaftsdienst zu erweisen, Sport sei Sport. Und er lieh ihm sein Paar. Wir waren zwar enttäuscht, aber es war sicherlich eine große Lehre für uns.

Anekdoten:

Zwei Beispiele zeigen die Treue zum Verein: Willi Pöll, der seine Arbeitsstelle in Marbach hatte, fuhr trotz des weiten Weges mit dem Fahrrad zum Fußballspielen nach Aschbach. Und Fritz Badhofer, der in Pöchlarn einen guten Arbeitsplatz in Aussicht gehabt hätte, sagte zu seiner Oma: " Ich verzichte auf das Geld, ich bleibe bei der Firma Weise, ich lasse den Verein nicht im Stich!" Mit solchen Leuten kann man nicht zugrunde gehen, und solche Beispiele gab es viele.

Zum Schmunzeln:

Bei der Gestaltung der "Rialtobrücke", die außerordentlich viel Arbeitszeit verschlang, leistete Leopold Schnepf, er war wegen Blinddarmentzündung im Krankenstand, sehr viel Arbeit, da ohne ihn die Dekoration nie fertig geworden wäre.

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